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mimetisches Begehren

mimetisches Begehren

quote Der schreibende Intellektuelle muß sich entscheiden, ob er zu denen gehören will, die andre erklären, oder zu denen, die unter andrem dazu da sind, um von den andren erklärt zu werden. Wer die Notwendigkeit dieser Entscheidung nicht einsieht, und sie also nicht trifft, ist ein unklarer Kopf und vielleicht noch ein Wichtigtuer. Wer die Entscheidung trifft und tatsächlich immer einhält, der taugt auch nicht viel. Denn letzen Endes bemerkt man, daß die vornehmste Aufgabe darin besteht, sich zu erklären; daß man dies nicht erfolgreich getan hat, wenn da für die Klärenden (womit die nötige Interpretation gemeint ist, nicht der volle Umfang der berufsmäßigen) mehr zu sagen bleibt, als man selbst gesagt hat; daß man sich, wenn man sich nur in der rechten Weise wichtig nimmt, mitunter am besten erklärt, indem man andre erklärt.

— Franz Baermann Steiner: Feststellungen und Versuche. Aufzeichnungen 1943 – 1952, Göttingen: Wallstein 2009, S. 95
Bei dem Gegensatze von Form und Inhalt ist wesentlich festzuhalten, daß der Inhalt nicht formlos ist, sondern ebensowohl die Form in ihm selbst hat, als sie ihm ein Äußerliches ist. Es ist die Verdopplung der Form enthalten, die das eine Mal als in sich reflektiert der Inhalt, das andere Mal als nicht in sich reflektiert die äußerliche, dem Inhalte gleichgültige, Existenz ist. An-sich ist hier vorhanden das absolute Verhältnis des Inhalts und der Form, nämlich das Umschlagen derselben ineinander, so daß der Inhalt nichts ist als das Umschlagen der Form in Inhalt, und die Form nichts als Umschlagen des Inhalts in Form.
[Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse. Erster Teil. Die Wissenschaft der Logik, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1970, S.264f.]

Bei dem Gegensatze von Form und Inhalt ist wesentlich festzuhalten, daß der Inhalt nicht formlos ist, sondern ebensowohl die Form in ihm selbst hat, als sie ihm ein Äußerliches ist. Es ist die Verdopplung der Form enthalten, die das eine Mal als in sich reflektiert der Inhalt, das andere Mal als nicht in sich reflektiert die äußerliche, dem Inhalte gleichgültige, Existenz ist. An-sich ist hier vorhanden das absolute Verhältnis des Inhalts und der Form, nämlich das Umschlagen derselben ineinander, so daß der Inhalt nichts ist als das Umschlagen der Form in Inhalt, und die Form nichts als Umschlagen des Inhalts in Form.

[Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse. Erster Teil. Die Wissenschaft der Logik, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1970, S.264f.]

quote Ein Hinweis ist auch das (Wort) »vergeblich«: Das benutzt man dann, wenn das um eines anderen willen Vorgenommene bei seinem Eintreten diesen Zweck nicht erreicht; z.B., wenn das Spazierengehen um der Verdauungsförderung willen unternommen wird und wenn für den Spaziergänger die erhoffte Wirkung nicht eingetreten ist, dann sagen wir, er sei vergeblich spazieren gegangen, und nennen ein solches Spazierengehen »zwecklos«, wobei wir dem »zwecklos« folgende Bedeutung unterlegen: Wenn etwas, das um eines anderen Willen da ist, jenes andere, um dessentwillen es da und vorhanden war, nicht zuwege bringt. Wenn doch jemand sagen wollte, er habe sich vergeblich gewaschen, weil die Sonnenfinsternis nicht eingetreten sei, dann wäre der lächerlich; denn das eine hat doch nicht um des anderen willen stattgefunden. So ergibt sich »Zu-fall« schon vom bloßen Wort her, wenn »es selbst« (das Ereignis) »vergeblich zu-fällt«. Da ist also ein Stein heruntergefallen, nicht um jemanden zu treffen; zufällig also ist der Stein gefallen, er hätte ja auch durch Einwirkung von jemandem fallen können, und dies mit der Zweckabsicht, jemanden zu erschlagen.

— Aristoteles: Physik. Vorlesung über die Natur, übersetzt von Hans Günter Zekl, Hamburg: Meiner 1995, S. 40f.
Armer Regenschirm

Armer Regenschirm

quote Über eine in unseren Zeiten grassierende Metaphysik, nach welcher wir die Dinge darum nicht erkennen, weil sie absolut fest gegen uns sind, könnte man sich ausdrücken, daß nicht einmal die Tiere so dumm sind als diese Metaphysiker; denn sie gehen auf die Dinge zu, greifen, erfassen, verzehren sie.

— Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse. Zweiter Teil. Die Naturphilosophie, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1986, S. 19

quote Die Revolution hat nicht alle Tyranneien gestürzt; die Übel, die man den willkürlichen Gewalten vorgeworfen hat, bestehen in den Familien; sie verursachen hier Krisen, analog denen der Revolutionen.
[…]
Die feigsten, widerstandsunfähigsten Menschen werden unerbittlich, sobald sie die absolute elterliche Autorität geltend machen können. Der Mißbrauch derselben ist gleichsam ein roher Ersatz für die viele Unterwürfigkeit und Abhängigkeit, denen sie sich in der bürgerlichen Gesellschaft mit oder wider Willen unterwerfen.

— Karl Marx: Peuchet: vom Selbstmord [1846], in: ders.: Vom Selbstmord, herausgegeben von Eric A. Plaut und Kevin Anderson, Köln: Neuer ISP Verlag 2001, S. 53-76, S.60ff.

quote Ihr Jobcenter kann gemäß § 59 Abs. 1 Satz 2 SGB X den Vertrag auch kündigen, um schwere Nachteile für das Gemeinwohl zu verhüten oder zu beseitigen.

— Jobcenter team.arbeit.hamburg: Eingliederungsvereinbarung, in: “Solange Du die Füße unter meinen Tisch…” – Fordern und Fördern, Hamburg 2014, S. 2
Schillern und Entfalten

Schillern und Entfalten

quote Was wäre Sentimentalität, wenn nicht der erlahmende Flügel des Fühlens, das sich irgendwo niederlässt, weil es nicht weiterkam, und was also ihr Gegensatz, wenn nicht diese unermüdete Regung, die sich so weise aufspart, auf kein Erlebnis und Erinnern sich niederlässt, sondern schwebend eins nach dem andern streift: «O Stern und Blume, Geist und Kleid / Lieb, Leid und Zeit und Ewigkeit.»

— Walter Benjamin: Deutsche Menschen, herausgegeben von Momme Brodersen, in: ders.: Werke und Nachlaß. Kritische Gesamtausgabe, Band 10, Suhrkamp: Frankfurt am Main 2008, S. 66